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| Die Geschichte des irischen Tanzes |
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Die zunehmende Suche nach nationaler Identität führte 1893 zur Gründung der Gaelic League. Ihr oberstes Gebot war (und ist?) die Erhaltung und Promotion der irischen Sprache und die Förderung des Tanzbereiches. Daneben wurden allgemein gültige Umgangsformen als wichtiges Ziel auserkoren. Führende Intellektuelle waren die Mitbegründer. Schon bald erlebte die Organisation einen enormen Aufschwung und hatte Tausende von Mitgliedern. Vor allem in den Ländern, die vielen Iren eine neue Heimat geworden war, stießen sie auf großes Interesse. Dort gab es speziellen Unterricht in irischer Kultur. In den USA gab es schon einige Jahre nach Gründung vier große Tanzwettbewerbe pro Jahr. Die Londoner Filiale war sehr bemüht. Sie führte den Begriff „Ceili“ ein und entwickelte das noch heute gültige Vokabular für die Tänze.
1929 wurde eine Untersuchungskomission eingerichtet, die sich über den Zustand des irischen Tanzes hinsichtlich Unterricht, Wettbewerbe und Bewertung informieren sollte, weil es auf Wettkämpfen immer wieder zu Unstimmigkeiten kam. Dies führte 1930 zur Gründung der Irish Dance Comission, die auch heute noch am stärksten den Irischen Tanz überwacht und orgsanisiert. Zum Teil entwickelte sie aber höchst fragwürdige Reglements. Einige Beispiele: Wenn man Irisch tanzt, darf man keiner anderen Tanzart nachgehen, und man wird von Wettbewerben ausgeschlossen, wenn die getragenen Teile nicht in Irland hergestellt sind.
Heute ist der Irische Tanz weltweit verbreitet. In Irland selbst muss man feststellen, dass er von Staatswegen bis vor kurzem oft recht stiefmütterlich behandelt wurde. Während andere Tanzformen, wenn auch geringe Zuschüsse erhielten, hatten irische Tanzgruppen kaum Unterstützung. Die restriktiven Regeln von An Coimisiún könnten einer der Gründe gewesen sein. Umso erstaunlicher, dass sich aus so einer Situation eine erfolgreiche Show wie „Riverdance“ entwickeln konnte. Inzwischen hat sich die Einstellung aber geändert. Das neu eingerichtete Minesterium für Arts, Culture and Heritage (Kunst, Kultur und Erbe bzw. Tradition) zeigt sich aufgeschlossener für Projekte im Bereich der Folklore.

Einen besonderen Aspekt nimmt die Haltung der Kirche zum Tanz ein. Der wachsende Einfluss der Kirche seit dem 17. Jh. hatte auch Einfluss auf die Entwicklung des Tanzes. Aufzeichnungen belegen, dass noch bis ins 20. Jahrhundert die Kirche gegen gesellige Tanztreffen war und dass vor allem tanzende Frauen als Feinde des Herren und übel eingestuft wurden. Die Maßnahmen das Tanzvergnügen einzuschränken, reichten von einfachen Verfügungen bis hin zu handfesten Aktionen, wie z. B. das Verbrennen von Musikinstrumenten. Vielen Lehrern wurde die Existenzgrundlage entzogen, so dass sie auswanderten, z.B. in die USA.
Ein Großteil des Klerus hatte ein sehr eingeschränktes Verständnis von Tanz. Solange sie in gewisser Form an Unterricht und Wettbewerben beteiligt waren, war grundsätzlich nichts einzuwenden. So wurden z.T. auch sogenannte „Spiritual directors“ zu Festivals in andere Länder mitgenommen. In die Länder des Ostblocks zu reisen war allerdings verpönt, denn diese wurden als antichristlich eingestuft. Somit war Tanz in den Augen der Kirche mehr Politikum denn gesellschaftliches Vergnügen und körperliche Betätigung.
Eine der wenigen Ausnahmen bildete Father Pat Aheme vom County Kerry. In den 60er Jahren gründete er das „Siamas Tire“ das National Folk Theatre in Tralee. Er schuf damit eines der ersten Ensembles, das sich ernsthaft mit irischem Kulturgut in einer Show auseinandersetzte. Die gesamte Gruppe im Alter von 11 bis 60 Jahren konnte singen und tanzen. Er bediente sich modernster Technik und Medien und inszenierte Aufrührungen und hielt workshops ab. Damit trug er wesentlich zur Entwicklung des irischen Tanzes bei, zu einer Zeit als dieser noch in den Kinderschuhen steckte.

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